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Lebensmittel Praxis: Nichts gelernt aus dem Dioxin-Skandal?

Der Fipronil-Skandal zieht Kreise. Es hätte einiges anders laufen können. Ein Standpunkt von Dr. Otto Strecker und Dr. Michael Lendle,

AFC Consulting Group AG

Die Neuauflage des Dudens zählt 5.000 neue Wörter - "Rumeiern" ist eines davon. Der Begriff trifft auf die Ereignisse beim aktuellen "Fipronil-Skandal" zu. Was hat sich die Branche nach dem Dioxin-Skandal 2011 alles auf die Fahne geschrieben: nie wieder sensationslüsterne Skandalpresse, nie wieder polemische NGO-Kampagnen, nie wieder politisch motivierte Behördenkommunikation, nie wieder unsinnige Vielstimmigkeit bei der Verbraucherinformation. Nie wieder?

Vergleicht man die Geschehnisse bei "Dioxin" mit "Fipronil", fällt auf, dass in beiden Fällen kriminelle Energie Auslöser der Krise zu sein scheint. Auch diesmal sind die Inverkehrbringer von Eiern eher Opfer als Verursacher, zumindest in Deutschland. Und die breite Öffentlichkeit wird abermals umgehend vom Bundesinstitut für Risikobewertung mit einer wissenschaftsbasierten Frage-Antwort-Liste informiert.

Und der Verbraucher? Der steht vorm Regal und fragt sich, ob er diese Eier überhaupt essen kann. Offensichtlich fehlt trotz allem Bemühen die erforderliche Offenheit und Transparenz, wenn es um die Sicherheit beim Eier-Verzehr geht. Gar nicht auszudenken was passiert, wenn der Verbraucher erfährt, in welchen Lebensmitteln möglicherweise betroffene Eier weiter verarbeitet wurden.

Die Verbraucherinformation zu Fipronil steht in der öffentlichen Kritik und auch darin liegt eine Prallelle zum "Dioxin-Skandal". Wie damals mangelt es den verantwortlichen Behördenvertretern bei der Ursachenklärung an Unterstützung durch Behördenkollegen, diesmal vor allem in Holland und Belgien.

Der Lebensmitteleinzelhandel sieht sich, der Unbedenklichkeit der meisten Produkte zum Trotz, einem zunehmenden öffentlichen Druck ausgesetzt. Manches Handelshaus sieht sich dadurch zum Alleingang genötigt. Die Importeure vor allem holländischer Eier kommen mit der Beprobung nicht nach und müssen verdächtige Eier in großem Stil sperren oder vernichten.

Nun könnte man sich fragen, warum lagen entsprechende Ergebnisse zu fipronilbelasteten Eiern nicht frühzeitiger vor? Berechtigte Frage, aber Fipronil steht (noch) nicht auf der Liste "unerwünschter Stoffe" in Eiern, auf die regelmäßig die Inverkehrbringer bei Eigenkontrollen und die zuständigen Behörden bei der amtlichen Beprobung hin untersuchen. Gefunden wird nur, wonach auch gesucht wird.

Aber eine Frage drängt sich - wie seinerzeit beim Dioxin-Fall - auf, warum wird bei Vorliegen positiver Befunde zu Fipronil in Eiern die Öffentlichkeit nicht in einer "One-Voice-Strategie" von einer zentralen Stelle informiert? Sicherlich ist die wissenschaftliche Bemessung einer akuten Referenzdosis zur gesundheitlichen Gefährdung, nach Abschätzung der Exposition auf Basis europäischer Verzehrsdaten ein wichtiger Aspekt zur Bewertung der Verkehrsfähigkeit von Eiern. Leider trägt diese Information nur bedingt zur Vertrauensbildung und Beruhigung beim Verbraucher bei.

Eine wirklich vertrauensbildende Maßnahme wäre, in Ergänzung zu den bereits existierenden Internetportalen "Lebensmittelwarnung.de" und "Lebensmittelklarheit.de", ein Verbraucherportal einzurichten, das rechtzeitig, sachlich und verständlich Verbraucher informiert. Ein positiver Nebeneffekt wäre die Vermeidung unbegründeter Unruhe, die zu übertriebener Vorsorge und damit zu übereilten Marktentnahmen veranlasst. Es wäre zugleich ein wichtiger Beitrag, unnötige Lebensmittelverschwendung zu vermeiden!

In: Lebensmittel Praxis Heft 14/2017 vom 01. September 2017, Seite 13

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