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Getränke Zeitung: "Gefahr für Verstöße steigt" - AFC im Interview zum Thema Compliance in der Ernährungsindustrie

Dr. Otto Strecker, Vorstand AFC Consulting Group, und AFC-Consultant Stefan Knapp, über die wachsende Bedeutung von professionellem Compliance-Management im Mittelstand 

GZ Welche Bereiche sind in der Ernährungsindustrie besonders prekär beim Thema Compliance?

Strecker Vor allem die Schnittstellen zu Geschäftspartnern sind besonders risikoreiche Felder. Immer dann, wenn zwei oder mehr Parteien über Konditionen, Preise, Vertragsabschlüsse etc. verhandeln, steigt die Gefahr für Compliance-Verstöße - vor allem dann, wenn die geltende Rechtslage nicht bekannt ist.
Knapp Viele Compliance-Verstöße passieren auch unbeabsichtigt, etwa beim lockeren Gespräch mit dem Wettbewerber auf einer Verbandstagung. Die Ausgangslage für viele Hersteller ist ähnlich: hoher Kostendruck auf der einen harter Margendruck auf der anderen Seite. Die beiläufige Ankündigung einer baldigen Preiserhöhung gegenüber dem Gesprächspartner erscheint so zunächst harmlos ist aber aus rechtlicher Sicht bereits ein handfester Kartellverstoß, ebenso wie das unwidersprochene Entgegennehmen von entsprechend sensiblen Informationen.

GZ Hat der Food-Mittelstand bei Compliance-Richtlinien und deren Umsetzung noch Aufholbedarf?

Strecker In der Tat. Insbesondere im Mittelstand stecken die Compliance-Aktivitäten noch in den Kinderschuhen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben kein Compliance Management System, obwohl die Relevanz des Themas im Bewusstsein stark zunimmt. Gründe dafür sind  immer neue Meldungen über Kartellverstöße, die die Branche zunehmend in ein schlechtes Licht rücken. Dabei können Unternehmen mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen Compliance-Verstößen vorbeugen. Präzise Richtlinien z.B. zum Umgang mit Geschäftspartnern oder dem Verhalten im Wettbewerb schaffen Rechts- und Handlungssicherheit.

GZ Mittelständische Unternehmen haben nur begrenzte personelle Ressourcen. Wer sollte für Vorgaben und deren Einhaltung zuständig sein?

Knapp Aufgrund der begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen ist es im Mittelstand nicht realistisch, eigene Compliance-Officer oder gar ganze Abteilungen einzuführen. Das Thema bleibt so häufig bei der Geschäftsführung. Der Trend entwickelt sich jedoch zunehmend hin zu externen Compliance-Beauftragten. Diese kostengünstigere Lösung hat den Charme, dass die Geschäftsführung auf operativer Ebene entlastet wird, gleichzeitig aber einen permanenten Ansprechpartner für das Thema Compliance hat.

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Hand aufs Herz: Sind Compliance-Richtlinien eine Modeerscheinung und „nice to have“ oder wirklich ein Muss heutzutage?

Knapp Compliance-Management ist längst kein Modethema mehr. Schauen Sie auf die großen Konzerne wie REWE, Deutsche Bahn oder Deutsche Telekom. Neben konzernumfassenden Compliance Management Systemen beteiligen diese zunehmend auch Ihre Geschäftspartner am Thema, etwa über Compliance-Hotlines, Hinweisgebersystemen oder auch Lieferantenschulungen. Die Anforderungen an mittelständische Geschäftspartner sehen immer häufiger auch gewisse Compliance-Standards vor, die damit Bestandteil von Verträgen werden.
Strecker Vielen Mittelständlern wird langsam bewusst, dass Compliance Management nicht länger nur Kosten verursacht, sondern im Gegenteil sogar vermeidet. Getreu dem Motto „If you think compliance is expensive, try non-compliance“. Eine ähnliche Entwicklung haben wir in den Bereichen Risiko- und Qualitätsmanagement in den letzten Jahren festgestellt.

 Getränke Zeitung, Ausgabe 22, 23.10.2014, Seite 2

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