Nach dem Aus für Absatzfonds, CMA und ZMP lohnt sich der Blick über den nationalen Tellerrand.
In Frankreich wurde die SOPEXA im Jahr 2007 in ein privates Unternehmen umgewandelt. Die Exportportorganisation finanziert sich aus staatlichen und privaten Aufträgen sowie aus parafiskalischen Abgaben.
In Großbritannien wurden die sektorspezifischen Levy Boards in 2008 aufgelöst und in einer gesetzlich verankerten Organisation unter dem Namen Agriculture and Horticulture Development Board (AHDB) mit insgesamt sechs sektorspezifischen Körperschaften neu aufgestellt. Beide Modelle entgehen dem CMA-Dilemma um die Zwangsabgabe.
In Großbritannien steht weniger die generische Werbung im Vordergrund. Gefördert werden Nachhaltigkeitskonzepte, Produkt- und Technologieinnovationen durch gemeinschaftliche Forschungsprojekte sowie moderne Dienstleistungskonzepte. Der Innovationsaspekt wird in Deutschland heute vor allem von Cluster-Initiativen der Bundesländer gefördert.
Vorreiter dieser Politik ist Nordrhein-Westfalen. Der Cluster Ernährung.NRW dient unter anderem der Innovationsförderung an der Schnittstelle Wissenschaft und Wirtschaft.
Auch die dort unterstützte Stärkung des Absatzes von Produkten aus der Region war seit jeher, von der CMA kofinanzierte, Ländersache. Dieses Thema gewinnt nun in den Ländern auch ohne CMA-Gelder wieder an Fahrt, weil Industrie und Handel ein Interesse daran entwickeln, sich über Themen wie Regionalität, Nachhaltigkeit, etc. zu profilieren.
Der Export aber ist auf Länderebene alleine nicht zu organisieren. Die Absender-Information ist dort sinnvollerweise "Made in Germany" und nicht Thuringia oder Lower Saxony.
Die Bündelungsfunktion kann nur national wahrgenommen werden.
Die kurz nach dem Aus der CMA von Industrievertretern in Aussicht gestellten eigenen Finanzierungsbeiträge konnten allerdings nicht aufgebracht werden.
Fach- und Dachverbände standen beim Thema Export plötzlich in Konkurrenz zueinander. Große Unternehmen möchten die kleineren nicht mitfinanzieren. Letztere wollen nur dann etwas einzahlen, wenn der Nutzen größer ist als der Aufwand.
Der Staat, der diese Lücke durch die Förderung einer Exportagentur schließen kann, stellt vom BMELV bisher jedoch nur eine finanziell begrenzte Projektförderung in Aussicht und erwartet eine leistungsfähige Organisation der Wirtschaft als Gegenüber.
Zunächst hatten sich Fachverbände der Ernährungswirtschaft in einer Organisation "German Food" zusammengeschlossen.
Parallel entstand ein branchenübergreifender Verein "Food Made in Germany". Aus German Food und Verbänden der Landtechnik und Pflanzenzucht entstand die GEFA, German Export Organisation for Food and Agriproducts. Dort hat auch der Verein "Food Made in Germany" inzwischen die Aufnahme beantragt.
Eine schlagkräftige Organisation kann daraus erst werden, wenn auch signifikante Budgets zur Verfügung stehen. Wirtschaft und Staat sind aufgerufen, dafür ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln.
Dr. Otto Strecker
VDL-Journal, April 2010